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Perry Rhodan
- Ein Phänomen der Populärkultur
Tagung im Archiv der
Jugendkultur/Berlin
- Zeit: 11.-13.Juli.2003
- Ort: Archiv der
Jugendkulturen e.V., Fidicinstr. 3, 10965 Berlin,
- Veranstalter: Fach Soziologie der
Universität Paderborn, Archiv der
Jugendkulturen e.V.
- Organisationsteam: Klaus
Bollhöfener, Klaus Farin, Klaus N. Frick, Gregor Sedlag, Dierk Spreen
- Sponsor:
Pabel-Moewig Verlag KG,
Rastatt
- Sammelband zur
Tagung
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Warum diese Tagung?
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts
verändert sich die Kulturlandschaft der Industrienationen grundlegend.
Die Zwänge der Arbeitsgesellschaft lockern sich. Freizeitindustrie und
Konsumkultur beginnen sich herauszubilden. Insbesondere in den großen
Industriestädten entsteht eine Massennachfrage nach unterhaltenden
Sensationen und damit ein neuer Markt.
Während die Organe der Arbeiterbewegung, die an der Entstehung der
freien Zeit jenseits des Fabrikgebäudes und auch an einem, wenn auch
geringen Überschuss an Geldmitteln im Arbeiterhaushalt wesentlichen
Anteil haben, eine ›vernünftige Erholung‹ propagieren, nehmen findige
Kulturunternehmer die Möglichkeiten des Erholungs- und Freizeitmarktes
wahr. Eines der Angebote, die um die knappen Mittel der
Unterschichtshaushalte konkurrieren, sind in Groschenromanen
veröffentlichte Fortsetzungsgeschichten: ›Hintertreppenromane‹, die von
jenen gelesen werden, welche die herrschaftlichen Vordertreppen nicht
betreten dürfen.
Auch im Kontext der sog. ›Kulturkrise‹ um 1900 bildet sich in Angesicht
der Freizeitindustrie ein Diskurs heraus, der meint, höhere Kulturwerte
gegen die ›Schundromane‹ und die Sensationsindustrie verteidigen zu
müssen. Dieser Diskurs, der von der Differenzierung zwischen Hoch- und
Massenkultur lebt, bestimmt noch heute häufig kulturkritische
Wahrnehmungsweisen. In den Massenkünsten wittert man eine
Gleichmacherei des Geschmacks und unterstellt ihren KonsumentInnen den
Verlust der Kritikfähigkeit.
Dieser Wahrnehmung sieht sich auch die 1961 gegründete Romanserie
Perry Rhodan bis heute ausgesetzt. Während aber
KulturwissenschaftlerInnen solche Mythen anhand von SF-Fernsehserien,
insbesondere jenen aus dem Star Trek-Universum, dekonstruiert
haben, ist die Perry Rhodan-Serie bislang nicht Gegenstand
einer derart umfangreichen Forschung geworden. Kursorisch erschienen
über die Jahrzehnte verstreut immer wieder Beobachtungen, aber diese
lassen sich schwerlich in einem kontinuierlichen Forschungskontext
zusammenfassen.
Das ist insofern erstaunlich, als es sich um ein ausgesprochen
erfolgreiches literarisches Projekt handelt. Die PR-Serie ist nicht nur
die weltweit auflagenstärkste SF-Serie, sie stellt mit einer Laufzeit
von nunmehr über 40 Jahren auch ein einmaliges kulturhistorisches
Archiv dar. Weiterhin ist sie kein Produkt der amerikanischen
Popularkultur, sondern der deutschen und wird international breit
rezipiert. Zugrunde liegt ihr bis heute die Arbeit eines
Autorenkollektivs.
Die projektierte Tagung kann der zu konstatierenden, fachübergreifenden
Forschungslücke nicht abhelfen, aber sie möchte sie doch zumindest ein
wenig füllen. Es geht ihr daher darum, in einem verdichteten
Diskussionskontext kulturwissenschaftliche, -soziologische und
-historische Perspektiven auf das populärkulturelle Ereignis Perry
Rhodan anzusetzen. Anvisiert wird die Eröffnung eines
interdisziplinären Horizontes, der die Serie als ein spezifisches
Medium kultureller Reflexivität nicht nur der bundesdeutschen
Gesellschaft zugänglich macht.
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Tagungsprogramm
Freitag, den 11. Juli 2003
19:30 Uhr
Begrüßung
20:00 Uhr
Eröffnungsvortrag
Dietmar Dath: Simile venit ad simile: Warum man
Superintelligenzen nicht vergleichen kann.
Samstag, den 12. Juli 2003
09:00 - 10:00 Uhr
Rainer Nagel: Perry Rhodan in der Übersetzung -
Perspektiven der internationalen Rezeption
10:00 - 11:10 Uhr
Dierk Spreen: Perry Rhodan als Phänomen der
Massenkultur
11:20 - 12:30 Uhr
Hartmut Kasper: Erzählungen aus dem Hyperraum. Zur
Mythologisierung zukunftsträchtiger Motive im Perry-Rhodan-Kosmos
12:30 - 14:00 Uhr Mittagspause
14:00 - 15:00 Uhr
Matze Schmidt: Roman's "Appropriance Fiction": Wie
ein fiktiver SF-Held sich sein Klischee Perry Rhodan aneignet. HTML
15:00 - 16:10 Uhr
Gregor Sedlag: Bundesrepublikanisches Lebensgefühl
im Spiegel der Perry-Rhodan-Serie
16:30 - 17:40 Uhr
Hans Esselborn: Topoi der Kritik an Perry Rhodan
seit den 70er Jahren
19:00 - 20:30 Uhr
Abendvortrag
Rainer Stache: Perry Rhodan - kybernetisch
Sonntag, den 13. Juli 2003
09:30 - 11:00 Uhr
Regina Schleicher: Science Fiction und Geschlecht
11:00 - 12:30 Uhr
Alexander Seibold: Der Gott der Terraner
12:30 - 13:00 Uhr
Abschlussdiskussion
13:00 Uhr
Ende der Tagung
Zu den Vortragenden
- Dietmar Dath ist
Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeine Zeitung.
- Hans Esselborn lehrt
Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Köln.
- Hartmut Kasper ist
promovierter Germanist.
- Rainer Nagel ist
Sprachwissenschaftler im Fach Englisch an der Universität Mainz.
- Regina Schleicher forscht
am Institut für Romanische Sprachen und Literaturen der Universität in
Frankfurt a.M.
- Matze Schmidt ist
Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Kunsthochschule Kassel im
Fachbereich Kunstwissenschaft.
- Gregor Sedlag ist
Historiker und staatlich geprüfter Werbefachmann mit dem Diplom der
Akademie für Marketing-Kommunikation.
- Alexander Seibold ist
promovierter Theologe (kath.) und arbeitet als freier Autor für TV,
Radio und Printmedien.
- Dierk Spreen ist
wissenschaftlicher Assistent im Fach Soziologie an der Universität
Paderborn.
- Rainer Stache ist
Journalist und veröffentlichte 1986 seine Dissertation mit dem Titel
"Perry Rhodan. Überlegungen zum Wandel einer Heftromanserie".
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Pressespiegel
Westfalen-Blatt, 10.7.03,
S. 10
Berliner Zeitung, 15.7.03, S. 9
Junge Welt,
15.7.03
satt.org,
15.7.03
Süddeutsche Zeitung, 16.07.03, S. 13
telepolis,
17.7.03
Perry
Rhodan Logbuch, 23.07.03
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Einige Literaturhinweise
Ellerbrock, Beate. 1976. Perry Rhodan. Untersuchung einer
Science-Fiction-Heftromanserie. Gießen.
Friedrich, Hans-Edwin. 1995. Science-fiction in der
deutschsprachigen Literatur. Internationales Archiv für
Sozialgeschichte der deutschen Literatur, 7. Sonderheft.
Galle, Heinz J. 1998. Volksbücher und Heftromane. Ein Streifzug
durch 100 Jahre Unterhaltungsliteratur. Passau.
Graf, Werner. 1981. "Die Rätselwelt. Auskunft über tausend Wochen
Perry-Rhodan-Lektüre." In: Literatur & Erfahrung, 7, S.
45-64.
Hallmann, Claus. 1979. Perry Rhodan. Analyse einer
Science-fiction-Romanheftserie. Frankfurt am Main.
Kasper, Hartmut. 1999. "Perry Rhodan - Ecce homo." In: Ästhetik
& Kommunikation, 104, S. 81-86.
- 2000. "Die Welt ist hohl." In: Ästhetik & Kommunikation,
110, S. 81-88.
- 2000. "Menschenknochen und ein Damenschuh - Rhodan muss in der Nähe
sein." In: Das Science Fiction Jahr 2000. München.
- 2002. "Unsere Männer im All. Kleine Anatomie der deutschen
Zukunftsroman-Serienhelden und ihrer Begleiter(innen)." In: Das
Science Fiction Jahr 2002. München
Klein, Hans-Peter. 1976. Zukunft zwischen Trauma und Mythos:
Science-fiction. Zur Warenästhetik, Sozialpsychologie und Didaktik
eines literarischen Massenphänomens. Stuttgart.
Maase, Kaspar. 1997. Grenzenloses Vergnügen. Der Aufstieg der
Massenkultur 1850-1970. Frankfurt am Main.
Mallinckrodt, Anita M. 1984. Das kleine Massenmedium. Soziale
Funktion und politische Rolle der Heftreihenliteratur in der DDR.
Köln.
Mikos, Lothar. 1999. "Der Feingeist der Proleten." In: taz mag,
24./25.7.1999, S. 4
Nagl, Manfred. 1972. Science Fiction in Deutschland. Tübingen.
Schröder, Torben. 1998. Science Fiction als Social Fiction. Das
gesellschaftliche Potential eines Unterhaltungsgenres. Münster.
Schwonke, Martin. 1957. Vom Staatsroman zur Science Fiction. Eine
Untersuchung über Geschichte und Funktion der
naturwissenschaftlich-technischen Utopie. Stuttgart.
Seeßlen, Georg. 1994. Tanz den Adolf Hitler. Faschismus in der
populären Kultur. Berlin.
Stache, Rainer. 22002. Perry Rhodan. Überlegungen zum
Wandel einer Heftromanserie. Berlin.
Teuscher, Gerhard. 1999. Perry Rhodan, Jerry Cotton und Johannes
Mario Simmel. Eine Darstellung zu Theorie, Geschichte und Vertretern
der Trivialliteratur. Stuttgart.
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