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Krieg und Gesellschaft

Die Konstitutionsfunktion des Krieges für moderne Gesellschaften
(War and society. The constitutional function of war for modern societies)

Berlin 2008. Verlag Duncker & Humblot
ISBN 978-3-428-12561-6, 68,00 eur

 



KURZBESCHREIBUNG:




Eine der Grundfragen der Soziologie lautet: Wie ist Gesellschaft möglich? Die vorliegende Untersuchung zeigt an drei Fällen, dass von einer konstituierenden Funktion des Krieges für moderne Gesellschaften gesprochen werden kann.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist der Krieg Anlass für einen öffentlichen Aktivierungsdiskurs, der die Hervorbringung oder Begründung eines sozialen Ganzen und einer sozialen Moral im Auge hat. Im Kontext seiner Totalisierung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird der Krieg zum Motor der Steigerung der gesellschaftlichen Produktivität und systemischen Funktionalität. Heute dagegen ist Krieg ein Mittel, um den Raum zivilgesellschaftlicher Normalität im Rahmen eines globalen politischen Sicherheitsmanagements zu sichern. In diesen drei Fällen erweist sich Krieg als integraler Bestandteil bei der Konstitution je moderner Formen von Gesellschaft.

Die vorliegende Untersuchung orientiert sich an einem Begriff des Politischen, der das Politische im Spannungsfeld faktischer Macht und regulativer Norm aufspannt. Diese Verortung des Politischen ermöglicht es einerseits, überhaupt die Frage nach der funktionalen und konstitutionellen Bedeutung kriegerischer Gewalt für das moderne Soziale zu stellen, entgeht dabei aber andererseits den Implikationen militanter Konstitutionstheorien.

The work carries out research into the effects of war as constitutional for modern societies at the example of Germany. It also examines the function of security wars for global security in the 21st century. Modernity and modern society, it argues, cannot been understood when generally separated from war.


Cover



INHALTSVERZEICHNIS:

REZENSIONEN:


Einleitung


9

A. Gesellschaft und Erfahrung


30

I. Gewalt als Problem der Gesellschaftstheorie


30

II. Notwendigkeit in der Erscheinung - Kontingenz des Handelns


35

III. Gesellschaftliche Phänomene


39

IV. Erfahrung als Bedingung des Wissens


43

V. Die Schwellenposition 'des Menschen'


50

B. Zwischen Diskurs und Erfahrung: Zur Problematik des Gewaltbegriffs


54

I. Verletzung und Körper


54

II. Ereignis und Spur


62

III. Sachen, Dinge und soziale Bedeutung


65

IV. Zum soziologischen Begriff gewaltförmigen Handelns


69

C. Die Konstitutionsfunktion des Krieges


76

I. Der Frieden nach dem Krieg


76

II. Der Krieg jenseits des Friedens


85

III. Idealtypische Merkmale des Krieges


87

IV. Macht und Norm im militanten Konstitutionsdiskurs


92

V. Das Reentry der Macht in die Norm


105

VI. Der Ort der Konstitutionsfunktion des Krieges


111

D. Soziale Moral: Normative Gesellschaftsvorstellung, militante Semantik des Sozialen und politische Friedensnorm


117

I. Militärische Neuerungen zu Beginn des 19.  Jahrhunderts


122

II. Soziale Moral im  Kontext von Kultur, Krieg und Ökonomie


126

III. Mediale Öffentlichkeit: Das Kleist-Müller-Projekt


133

IV. Organischer Staat und schöne Gesellschaft


138

V. Der Raum der Gesellschaft


143

VI. Krieg


145

VII. ... und Frieden


148

VIII. Erfahrung und Wirkung


152

IX. Die Modernität der Romantik


155

E. Totale Mobilmachung: Der kriegsgesellschaftliche Diskurs und das Scheiter der Zivilgesellschaft in der Zeit zwischen den Weltkriegen


160

I. Militärische Neuerungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts


166

II. Kritik der Romantik


179

III. Individualisierung und sachlicher Heroismus


184

IV. Technisierung und Professionalisierung


193

V. Totale Mobilmachung, militante Semantik des Sozialen
und totaler Staat


201

VI. Apologie der Gewalt


211

VII. Frieden nach dem Zukunftskrieg


215

VIII. Erfahrung und Wirkung


216

IX. Moderne, Staat und Gesellschaft


221

E. Global Security: Der andauernde Sicherheitszustand als Weltnomos der Zivilgesellschaft


226

I. 'Sicherheit' statt 'Krieg und Frieden'


227

II. Zur komplexen Machtdimension des globalen Sicherheitsregimes


239

III. Bedrohungen durch Gewalt und die Gewalt der globalen Sicherheit


246

1. Kriegsökonomien


246

2. Terrorkrieg


249

3. Sicherheitskrieg


261

IV. Der normative Rahmen der globalen Sicherheit


269

V. Erfahrung und Wirkung


283

VI. Die reflexive Moderne, ihre Kriege und ihr Frieden


289

Schluss


295

Literaturverzeichnis


302

Sachregister


320

Personenregister


330

 


 

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»Darüber nachzudenken, ob Krieg möglicherweise eine irgendwie geartete konstituierende Wirkung für die Gesellschaften der Moderne hat oder auch nur haben könnte, galt in der Soziologie, zumal hierzulande, als wenig schicklich, wie man das Thema Krieg, abgesehen von einer Kriegsursachenforschung, ja auch insgesamt mit sehr spitzen Fingern anging bzw. besser gesagt eher nicht anging. Doch die Zeiten ändern sich ... Krieg erweist sich in [der] zeitlich wie theoretisch einen großen Bogen spannenden und mit großem Gewinn zu lesenden Analyse in dreierlei Hinsicht als gesellschaftliches Konstituens: Kriege werfen für Gesellschaften Identitätsfragen auf ...; Kriege steigern die gesellschaftliche Produktivität und Funktionalität; und Kriege sichern heute die zivilgesellschaftliche Normalität in einem global angelegten Sicherheitsmanagement.«

Das Historisch-Politische Buch (3/2008)

»Anhand der politischen Romantik, der deutschen Zwischenkriegszeit und der Verschiebung des Diskurses im 21. Jahrhundert von Krieg und Frieden hin zu Sicherheit werden die Wechselwirkungen zwischen Krieg und Gesellschaft demonstriert. Spreens Studie ist auf einem enorm hohen (sprachlichen wie intellektuellen) Niveau verfasst«.
ZPOL online (7/2008)

»Unter Rückgriff auf Kant und den Dualismus von Erfahrungswelt einerseits und Intelligibilität und der Idee der Freiheit andererseits geht [das Buch] der Spannung zwischen der materiellen bzw. physischen Seite einer Sache (hier: kriegerische Gewalt) und der darüber gelegten sozialen Sinngebung nach. Es kommt zu dem Schluss, dass keins von beiden rückstandslos auf das andere zurückzuführen ist und das als ›Scharnier‹ zwischen beidem der ›zugleich sinnlich erfahrende und sinnhaft handelnde Mensch‹ zu denken ist.«
Sociologia Internationalis (1/2008)

»Soziologische Vorgehensweisen, die Krieg und Gesellschaft als deas der Gesellschaft Andere und Fremde ausblenden, sie als Elemente betrachten, die ihr nicht zugehören und nicht zugehören sollen, laufen Gefahr, die Entstehuingsbedingungen, ja sogar zentrale Strukturen moderner Gesellschaft überhaupt zu verkennen. ... Dierk Spreen geht es darum, Krieg und Gesellschaft nicht in ein Ausschlussverhältnis zu setzen, sondern zu zeigen, daß Krieg als ein Konstitutionsereignis für die Gesellschaft verstanden werden muss und damit für diese elementar ist.«

Philosophischer Literaturanzeiger (3/2009)

»Diese Paderborner soziologische Habilitationsschrift unternimmt den anspruchsvollen Versuch, in die Grundfrage der Soziologie Wie ist Gesellschaft möglich?‹, den Krieg als eine zentrale Kategorie einzuschreiben.«

»Für so manchen provokant dürfte dabei allerdings Spreens Einschätzung der Rolle der USA sein. Er weigert sich, globale Sicherheit analytisch allein auf die kontinentaleuropäische Wertschätzung von Verrechtlichung und diskursivem Ausgleich zu begrenzen. ... die Selbstermächtigung zu präemptiven Schlägen‹ stellt nach Meinung des Autors keinen Bruch mit den Strukturprinzipien globaler Sicherheit dar.«
Ästhetik & Kommunikation (147/2009)

»Alles in allem hat Spreen ein lesenswertes, lehrreiches und anregendes Werk auf hohem gedanklichem und sprachlichem Niveau vorgelegt. Es überzeugt gleichermaßen durch seinen spannungserzeugenden Facettenreichtum (der im Rahmen einer Besprechung nicht darstellbar ist) wie durch eine klare idealtypische Profilierung der Kriegsdiskurse in der vergleichenden Perspektive, die vom Verfasser durch gezielte Referenzen unterstützt wird, kommt die Eigenart dieser Diskurse zur Geltung. Besonders gelungen erscheint die Analyse des kriegsgesellschaftlichen Diskurses der 1920er Jahre. Jünger, Schmitt und andere werden nicht als rückwärtsgewandte Ideologen (Kulturkritik) dargestellt und politisch kritisiert. Spreen betont vielmehr den Realismus dieser Rechtsintellektuellen und versucht ihre Arbeiten für ein kognitives Verständnis kriegsgesellschaftlicher Prozesse fruchtbar zu machen. So liest er Jüngers Stahlgewitter als dichte Beschreibung. Wohltuend ist der differenzierende Blick, der die Kriegs-Diskurse nicht zu einem einzigen großen deutschen Irrweg vermengt, sondern die Unterschiede deutlich hervortreten lässt.«


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